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Forschung

Grundlage des archäologischen Freilichtmuseums sind die archäologischen Ausgrabungsergebnisse vor Ort, wissenschaftliche Erkenntnisse zur bronzezeitlichen Siedlungsgeschichte sowie Schlussfolgerungen aus der experimentellen Archäologie.

1969 wurden erstmals Erdarbeiten im Uferbereich der Jeetzel (einem Nebenfluss der Elbe) vorgenommen. Keiner konnte ahnen, auf welche Überraschungen man sich da allmählich zubaggerte – bis die ersten Keramikscherben und Erdverfärbungen zutage traten. Sie erlaubten keine Zweifel: vor Tausenden von Jahren hatten hier bereits Menschen gelebt.

Experimentelle Archäologie

Wir arbeiten auf dem Feld der „Experimentellen Archäologie“: Experimentelle Archäologie heißt, Theorien und Überlegungen über bestimmte Probleme in ihrer Funktion zu überprüfen und sich dem Originalzustand zu nähern. Das Ziel, die Fragestellung, wird präzise formuliert und in nachvollziehbaren, messbaren und dokumentierten Versuchsreihen überprüft. Es handelt sich nicht um die didaktische Methode der „Lebendigen Archäologie“, die eine Veranschaulichung der Techniken und Arbeitsweisen für Besucher:innen zur Aufgabe hat.
Alle bronzezeitlichen Langhäuser wurden nach den Ergebnissen der archäologischen Ausgrabungen rekonstruiert. Der Bau erfolgte in weiten Teilen unter experimentellen Bedingungen. Gezielt wurden unterschiedliche Materialien ausprobiert, bronzezeitliche Techniken angewandt und hierfür in einzelnen Arbeitsgängen sogar das entsprechend nachgebaute Handwerksgerät jener Zeit eingesetzt. Die Mühe hat sich gelohnt.

Die Häuser bieten einen beeindruckenden Anblick. Sie sind den Besuchern zugänglich und vermitteln einen unmittelbaren und konkreten Eindruck damaliger Bautechnik und handwerklichen Könnens. Darüber hinaus ist das Freilichtmuseum auch nach wie vor Stätte der Ausbildung, Forschung und Lehre. Weiterhin finden auf dem Gelände Seminare statt, werden Experimente zur Erprobung handwerklicher Techniken und Verfahren zur Rekonstruktion archäologischer Befunde durchgeführt.

Aktive Mitgliedschaft im European Exchange on Archaeological Research and Communication (EXARC) sowie in der Europäischen Vereinigung zur Förderung der Experimentellen Archäologie (EXAR).

Archäologische Ausgrabung

Was konnte entdeckt werden?

Mit dem Abriss der ehemaligen Kläranlage am Südrand der Stadt 1968/69 begann die Entdeckungsgeschichte einer der größten bronzezeitlichen Siedlungen im norddeutschen Raum. Baubegleitend wurden die ersten Befunde von dem damaligen Kreisarchäologen Dr. Klaus Voss dokumentiert. Es folgten weitere Forschungs- und Rettungsgrabungen, die eine 1.300jährige Besiedlungsgeschichte seit dem Spätneolithikum (2.200 v. Chr.) bis zum Beginn der Eisenzeit (ca. 700 v. Chr.) dokumentieren. Neben Suchschnitten wurden baubegleitend der Neubau der Kreisstrasse, der Bau eines Supermarktes und letztlich das gesamte Gelände des heutigen Freilichtmuseums untersucht.

Allen vorgeschichtlichen Befunden gemein ist die Tatsache, dass nirgends der originale Laufhorizont erhalten geblieben war, sondern lediglich die Befunde, die sich ca. 30 cm unterhalb des ehemaligen Fußbodens befanden, dokumentiert werden konnten.

Des Weiteren ist es selten möglich gewesen, aufgrund der Stratigraphie zeitliche und funktionale Gleichzeitigkeit der Befunde herzustellen. Eine Datierung der Befunde erfolgte aufgrund der Funde innerhalb der Gruben, respektive über die Haustypologien.

Zwei Befundhorizonte konnten bei den Grabungen dokumentiert werden: ein frühmittelalterlicher, slawischer Horizont, den ich hier vernachlässigen möchte zuoberst und ein vorgeschichtlicher, der hier näher ausgeführt werden soll, darunter. Beide Horizonte wurden durch ein Sandband von einander getrennt, dass zum Teil nur wenige Zentimeter stark war.

Die Ausgrabungen zeigten eine große Dichte an Siedlungsspuren wie Hausgrundrisse, Siedlungsgruben, Pfostengruben, Feuerstellen und sogar einen Hortfund. Sie ließen darauf schließen, dass etwa drei bis sechs Häuser gleichzeitig an dem ehemaligen Elbarm gestanden haben. Das ist für diese frühe Zeit eine große Siedlung, da wir sonst lediglich Einzelhöfe maximal zwei Hofstellen gleichzeitig kennen. (u. a. Assendorp 1989, Sommerfeld 1992).

Ausstellung

Um die für Laien schwer erkennbaren Hausgrundrisse der vorgeschichtlichen Siedlung erlebbar zu machen haben wir mit Hilfe der Experimentellen Archäologie, Handwerkern, Statikern und Architekten drei Langhäuser als begehbare lebensgroße Modelle wiederaufgebaut. Das gesamte Gelände wurde mit für die Bronzezeit nachgewiesenen Gehölzen und Pflanzen der Bronzezeit begrünt.

Literaturübersicht zur Ausgrabung Hitzacker-See

Assendorp 1989: Jan Joost Assendorp, Das Hitzacker-See-Projekt und die Archäologie. Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 4/1989, 183-191.

Assendorp 1990a: Jan Joost Assendorp, Der älteste Fund aus Hitzacker. Archäologie in Deutschland 3/1990, 41.

Assendorp 1990b: Jan Joost Assendorp, Grabungsschutzgebiet und Archäologisches Reservat. Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 4/1990, 183-187.

Assendorp 1991a: Jan Joost Assendorp, Hausgrundrisse mit Wandgräbchen aus Hitzacker. In: W. Jürries (Hrsg.), Beiträge zur Archäologie und Geschichte Nordostniedersachsens – Berndt Wachter zum 70. Geburtstag. Schriftenreihe des Heimatkundlichen Arbeitskreises Lüchow-Dannenberg 8 (Lüchow 1991), 95-108.

Braun 2022: Ulrike Braun, Entwicklung archäologischer Freilichtmuseen am Beispiel des Archäologischen Zentrums Hitzacker. In: Archäologie in Niedersachsen Band 25, Oldenburg (Hg. Archäologische Kommission für Niedersachsen e. V.), 2022, S. 112 – 116

Alle anzeigen

Assendorp 1991b: Jan Joost Assendorp, Bronzezeitliche Besiedlung in Hitzacker. Archäologie in Deutschland 3/1991, 49-50.

Assendorp 1994: Jan Joost Assendorp, Zwischen Ausgrabung und Auswertung – acht Jahre Archäologie am Hitzacker-See. Hannoversches Wendland 14, 1992/93 (Lüchow 1994), 81-96.

Assendorp 1996: Jan Joost Assendorp, Asterix an der Elbe? Die Popularisierung von Ausgrabungsergebnissen im Archäologischen Zentrum Hitzacker. In: M. Fansa und Chr. Lamschus (Hrsg.), Museen im Wandel. Entwicklungen und Perspektiven in der niedersächsischen Museumslandschaft – Festschrift für H.-G. Peters (Lüneburg 1996), 100-113.

Assendorp 1997: Jan Joost Assendorp, Die bronzezeitliche Siedlung in Hitzacker, Niedersachsen. In: Jan Joost Assendorp (Hrsg.), Forschungen zur bronzezeitlichen Besiedlung in Nord- und Mitteleuropa. Espelkamp 1997, 51-59.

Assendorp 2010: Jan Joost Assendorp, Bronzezeitliche Bauern an der Elbe. Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 1/2010, 19–22.

Braun + Assendorp 2019: Ulrike Braun + Jan Joost Assendorp Das Archäologische Zentrum Hitzacker – Bronzezeit an der Elbe. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 39.Jahrgang, Heft/2019, Veröffentlichung des Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege Hannover, 2019, S. 216 – 219

Braun 2012: Ulrike Braun, Phönix aus der Asche – ein jungbronzezeitliches Haus entsteht. Archäologie in Deutschland 1/2012, 6-8.

Braun 2011: Ulrike Braun, 20 Jahre Archäologisches Zentrum Hitzacker: von der Grabung zum archäologischen Freilichtmuseum, Halle /Saale. In: Beiträge zur Urund Frühgeschichte Mitteleuropas 63, Varia neolithica VII 2011:5 – 8

Holsten e. a. 1991: Hermann Holsten/Regina Kaphan-Herzfeld/Arne Lucke/Frank Nikulka, Der Nachbau eines vorgeschichtlichen Langhauses am Hitzacker-See.Archäologischer Befund und bauliche Rekonstruktion. Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 2/1991, 64-67.

Linnemann 2011: Sophie Linnemann, Die slawischen Befunde am Hitzacker-See, Ldkr. Lüchow-Dannenberg. In: Karl-Heinz Willroth und Jens Schneeweiß (Hrsg.), Slawen an der Elbe. Göttinger Forschungen zur Ur- und Frühgeschichte Bd. 1 (Göttingen 2011), S. 147-203.

Lüdke 1980: Hartwig Lüdke, Der mehrperiodige Siedlungsplatz von Hitzacker (Elbe), Ldkr. Lüchow-Dannenberg. Vorbericht über die Grabung 1979. Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 49, 1980, 131-152.

Lüdke 1980/81: Hartwig Lüdke, Der Fund zweier Töpferöfen innerhalb der mehrphasigen Siedlung von Hitzacker/Elbe, Kr. Lüchow-Dannenberg. Hannoversches Wendland 8 1980/81, 85-100.

Meyer 1993: Michael Meyer, Pevestorf 19. Ein mehrperiodiger Fundplatz im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Veröffentlichungen der urgeschichtlichen Sammlungen des Landesmuseums zu Hannover 41 (Oldenburg 1993).

Moser 1994: Andrea Moser, Zur zeitlichen Stellung der „Riesenbecher“ des Hannoverschen Wendlandes. Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 63, 1994, 3-38.

Nikulka 1991a: Frank Nikulka, Drei Grundrisse vom mehrphasigen Siedlungsplatz Hitzacker-See, Ldkr. Lüchow-Dannenberg. Vorbericht zu den Grabungskampagnen 1989 und 1990. Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 60, 1991, 89-99.

Nikulka 1991b: Frank Nikulka, Einige Bemerkungen zur funktionalen Interpretation slawischer und frühmittelalterlicher Grubenhäuser. In: W. Jürries (Hrsg.), Beiträge zur Archäologie und Geschichte Nordostniedersachsens – Berndt Wachter zum 70. Geburtstag. Schriftenreihe des Heimatkundlichen Arbeitskreises Lüchow-Dannenberg 8 (Lüchow 1991), 109-120.

Nikulka/Wachter 1992: Frank Nikulka und Berndt Wachter, Bodenmarken an jungslawischer Keramik aus einem frühmittelalterlichen Graben vom mehrperiodigen Siedlungsplatz Hitzacker-See, Ldkr. Lüchow-Dannenberg. Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 61, 1992, 81-94.

Sommerfeld 1992: Christoph Sommerfeld, Archäologische Ausgrabungen „Hitzacker-See“ – Übersicht über die wichtigsten Funde und Befunde der Kampagne 1991 – kein Vorbericht. Hannoversches Wendland 13, 1989/90/91 (Lüchow 1992), 167-186.

Sommerfeld 1993: Christoph Sommerfeld, Hortfund mit Steinstele. Archäologie in Deutschland 1/1993, 49-50.

Sommerfeld 1994: Christoph Sommerfeld, Ein mittelbronzezeitlicher Hortfund aus Hitzacker, Ldkr. Lüchow-Dannenberg. Zur Deutung der Quelle „Hort“ in der Bronzezeit. Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 1/1994, 9-15.

Voss 1969: Klaus Ludwig Voss, Vorbericht über die Teiluntersuchung eines Siedlungsplatzes an der Jeetzel bei Hitzacker, Kreis Lüchow-Dannenberg. Hannoversches Wendland 1, 1969, 47-50.

Voss 1970: Klaus Ludwig Voss, Zum Stand der archäologischen Untersuchungen auf dem Hasenberg von Pevestorf, Kreis Lüchow-Dannenberg. Hannoversches Wendland 2, 1970, 7-12.

Voss 1975: Klaus Ludwig Voss, Bericht über das Ergebnis der Ausgrabung in Pevestorf, Kr. Lüchow-Dannenberg, Fundplatz Nr. 19. Archiv des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege in Hannover/Lüneburg, 1975.

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1. April — 31. Oktober
täglich 10:00 — 17:00 Uhr